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In Memoriam - Gisela

 

In stetem Gedenken an Dich und Deine schönen und geistreichen Gedichte:

 

Der kleine Unterschied  (G. M.)

Prolog (vor der Rechtschreibreform)

Der Mensch, der mich zu diesen Versen trieb,

war einer, der ´ne Glosse an die Zeitung schrieb.

Er konnte Muse nicht von Muße unterscheiden,

und so etwas kann ich nun gar nicht leiden!

                         ***

 Es gibt etwas in unserm Land,

das ist als "scharfes ß" bekannt.

Es unterscheidet Haß von Has´

und dieses daß von jenem das.

 

Zur Weihnachtszeit ist´s oft erklungen,

das Lied "es ist ein Ros´entsprungen".

Wär uns jedoch ein Roß entsprungen,

wir hätten schwerlich wohl gesungen!

Wir wären eilig ausgegangen,

das Roß uns wieder einzufangen.

 

Jüngst wurden mir die Füße naß,

und ganz verschnupft war meine Nas´.

Ich habe ständig nur geniest,

der ganze Tag war mir vermiest.

 

Ganz anders ist´s mit Schnupftabak.

Hast du ´nen Schmalzler stets im Sack,

kannst du das Niesen gar genießen

mit kühlem Kopf und warmen Füßen!

 

Würden wir nur in Maßen essen,

statt dauernd Massen zu verfressen,

wir könnten lächelnd unsre Maße messen

und Fastenkuren ab sofort vergessen.

 

Merkst du was, liebes Glossenschreiberlein?

Auch, wer mal Schwein ißt, ist noch lang kein Schwein.

Und nur der Musenkuß genügt doch nicht allein -

auch für den Duden muß noch Muße sein!

                         ***

Epilog (nach der Rechtschreibreform)

Inzwischen gab es orthografische Reformen,

und heute gelten etwas andre Normen.

Doch das Problem, das damals mich so ärgerte - es blieb:

Las ich doch neulich einen Text, der "Geißel" meinte, aber "Geisel" schrieb...

 

 

 

Die Frau in der Grammatik    G.M. 2012

Die Frau an sich ist von Natur aus feminin.

Ob das so bleibt, hängt davon ab: Wo will sie hin?

Vielleicht steht ihr ja eine große Zukunft offen?

Im Aufsichtsrat, bei Banken oder so,

Dann kann man eigentlich für sie nur hoffen,

macht auch ihr Kontostand sie noch so froh,

dass sie nicht, was so mancher schon passiert,

zu einem  Neutrum ohne Grazie und Charme mutiert.

Wird sie jedoch zum Objekt männlicher Begierde,

ist sie für ihr Geschlecht meist keine Zierde.

Sie hält im Rotlichtviertel sich versteckt

und gilt bei andern als verkommenes Subjekt.

Bringt sie´s jedoch in dieser Branche richtig weit,

nennt man sie eine Dame mit Vergangenheit.


Tausend Dank für diese und viele weitere Gedichte, die Du uns als Erinnerungsstücke dagelassen hast.


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